»Holzfinder« vereinfacht die Abwicklung des Brennholzverkaufs
Seit 2024 vermarkten Kommunalwälder in Baden-Württemberg Brennholz (frei Wald) über die Plattform „Holzfinder“. Auf der Internetseite der Plattform holzfinder.de können Interessierte auf einer Karte sehen, welche Lose angeboten werden, wo die Brennholzpolter liegen (ein Holzlos kann aus mehreren Poltern zusammengesetzt sein), welche Baumarten enthalten sind, Länge und Durchmesser ablesen und natürlich, was das Los kostet. Mit einem Klick landet das Brennholz im Einkaufswagen und nach Abschluss des Kaufs gibt es die Rechnung per E-Mail. Käufer müssen sich dazu registrieren. Hat der Käufer bezahlt, bekommt er eine Abfuhrfreigabe und kann das Holz im Wald abholen. Mit der Abfuhrfreigabe erhält der Käufer auch die Erlaubnis, Waldwege zum Zweck der Abfuhr zu befahren. Das Angebot richtet sich an private Brennholzkäufer, weshalb die Anbieter die Menge je Käufer und Jahr begrenzen können. Im Interview erklärt Matthias Prexl für die Projektleitung „Holzfinder“ die Hintergründe.

Holz-Zentralblatt: Wer hat das Angebot entwickelt und aus welchem Grund?
Matthias Prexl: Die Plattform Holzfinder.de ist ein digitaler Holzmarktplatz, der im Kontext der Verwaltungsreform Baden-Württemberg 2020 entstand. Die Projektidee entwickelte sich im März 2021 innerhalb der Benutzergruppe „Holzverkauf“ mit dem Ziel, insbesondere den sehr zeitaufwendigen und organisatorisch anspruchsvollen Brennholzverkauf zu entbürokratisieren und zu digitalisieren. Aus diesem Ansatz wurde ein umfassender digitaler Marktplatz, der den gesamten regionalen Holzmarkt transparenter und effizienter machen soll.
HZ: Wer betreibt die Plattform?
Prexl: Die Projektleitung und Weiterentwicklung wird von den baden-württembergischen Förstern Matthias Prexl, Florian Meißner, Thomas Storz und Jonas Meier verantwortet (initial gehörte auch Philipp König zum Team). Das Team verbindet forstliches Fachwissen, digitale Entwicklungskompetenz und wirtschaftliche sowie Verwaltungs- Expertise. „Holzfinder“ wird eigenständig betrieben und kontinuierlich weiterentwickelt. Das Projekt wird ohne Freistellung neben den übertragen Stelleninhalten abgewickelt.
HZ: Seit wann ist das Angebot im Netz?
Prexl: Nach Projektstart im Rahmen des kommunalen Innovationsformats „InDiLaKo“ im Juli 2021 und offizieller Projektfreigabe im September 2021, ging „Holzfinder“ nach einer intensiven Entwicklungs- und Testphase im Jahr 2024 online. Das System arbeitet seit dem Start bislang völlig störungsfrei mit erheblichen und die Erwartungen völlig übertreffenden Einsparpotenzialen. Seit dem Start wurden bereits über 5 000 Kunden registriert und fast 2 Mio. Euro über die Plattform umgesetzt.
HZ: In Medienberichten wurden Kosten für Anbieter von 7 000 Euro genannt, ist das korrekt?
Prexl: Nein, diese Angabe ist nicht ganz korrekt. Der auch in der Presse genannte Satz ist der Beitrag, den die initial beteiligten Kreise (Nutzer sind die Holzverkaufsstellen nicht die Forstämter) investierten, um den „Holzfinder“ ins Leben zu rufen. Für neue interessierte Kreise (Holzverkaufsstellen) ist der gleiche Betrag vereinbart. Dazu kommt eine jährliche Pauschale für den laufenden Betrieb.
Da uns auch Anfragen von kleineren Einheiten (z. B. auch einzelne Gemeinden) erreichten, haben wir unser Beteiligungsmodell angepasst und können hier deutlich günstigere Konditionen, abhängig von der Größe, anbieten. Durch unsere sehr effiziente Projektstruktur und unser eher Startup ähnliches Vorgehen, gepaart mit der Tatsache, dass die Gemeinschaft Eigentümer des „Holzfinder“ ist, können wir sehr interessante Preismodelle realisieren.
HZ: Können sich auch private Waldbesitzer beteiligen, wenn ja, wie funktioniert die Anmeldung und was kostet es?
Prexl: Private Waldbesitzer können sich im Moment ggf,. über die Holzverkaufsstellen beteiligen. Für sehr kleine oder unregelmäßig anbietende Privatwaldbesitzer empfehlen wir daher im Moment, den Kontakt über die Holzverkaufsstellen der Kreise zu suchen.
Größere Privatwaldbesitzer oder Organisationen können sich gerne an uns wenden. Wir haben eine offene Plattform geschaffen. Die bisherige Erfahrung zeigt, in diesen Fällen finden wir durch den persönlichen Austausch mit uns bisher immer eine sinnvolle Lösung.
HZ: Ist das Angebot räumlich begrenzt?
Prexl: „Holzfinder“ ist grundsätzlich bundesweit nutzbar und in viele Richtungen skalierbar. Der Fokus liegt auf der Stärkung regionaler Märkte und lokaler Wertschöpfung, die Plattform steht allen Anbietern und Nachfragenden offen. Wir wollen Digitalisierung für Betriebe und die Bevölkerung sichtbar machen und einen echten Mehrwert, ohne bürokratischen Ballast und verkomplizierte Verwaltung schaffen
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