Mit Drohnen Borkenkäfer noch schneller finden

Den Schädlingen wird außerhalb des Nationalparks Schwarzwald keine Chance gegeben – Forst BW mit großem Einsatz

Wenn Baden-Württembergs Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, Marion Gentges, eine Drohne über den Baumwipfeln steuert, dann geht es um etwas Besonderes. Bei einem Termin von Forst BW in der Nähe von Seebach (Ortenaukreis) gab es einen Überblick über die Fortschritte beim Borkenkäfermanagement direkt neben dem Nationalpark Schwarzwald.

Nach der Erweiterung des im Jahr 2014 gegründeten Nationalparks Nordschwarzwald kümmert sich Forst BW jetzt um die meisten Waldflächen rund um den Park. Forst BW betreut 4.500 ha der insgesamt 5.700 ha Pufferflächen.

35 Mitarbeiter in Pufferzone

In dem etwa 500 m breiten Pufferstreifen sind allein 35 Mitarbeiter von Forst BW ständig auf der Fläche unterwegs und suchen die Bäume für das Borkenkäfermanagement ab. Denn die Buchdrucker und Kupferstecher dürfen sich zwar innerhalb des Nationalparks Schwarzwald ungestört austoben, sind aber bei den benachbarten Waldbesitzern komplett unerwünscht. Daher sorgen die Försterinnen und Förster von Forst BW dafür, dass die Borkenkäfer die Pufferzone nicht passieren.
Ministerin Marion Gentges hat sich jetzt ein eigenes Bild vor Ort gemacht und auch selbst einmal die Steuerung einer Drohne in die Hand genommen, mit der erkrankte Bäume an ihren Wipfeln schnell entdeckt und per GPS-Technik markiert werden können.
Laut dem Vorstandsvorsitzenden Max Reger kümmert sich Forst BW außerdem um Naturschutz, u. a. für Auerhühner, Schmetterlinge, Fledermäuse und Spechte, und die Förderung der Erholungsnutzung und des Tourismus.

Kein Holz bleibt länger liegen

Dr. Frieder Hepperle, Forstbezirksleiter Mittlerer Schwarzwald, plant den Umbau des Waldes zu einem klimaangepassten Mischwald. „Wir wollen die Fichten in den nächsten Jahren reduzieren zugunsten von Laubhölzern.“ Hepperle sieht zwar die Gefahr, dass Borkenkäfer in den Wirtschaftswald fliegen könnten. „Aber wir wissen, dass der Puffer funktioniert. Wir haben nur sechs Wochen, um befallene Bäume zu finden, zu markieren, zu fällen und weg zu transportieren.“ Gefällte Bäume dürften nicht in der Pufferzone gelagert werden, weil sich Käfer auch in liegenden Bäumen entwickeln. Mit einer App hätten alle Beteiligten Zugriff auf den jeweiligen Status der Bäume.
Der an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg tätige Luca Kiener hat zu dem Termin eine Drohne mitgebracht. Damit veranschaulicht er die gemeinsamen Projekte Prima-Wald und Priwa der Hochschule mit der Universität Freiburg und dem Ortenaukreis, die vom baden-württembergischen Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat (MLR) gefördert werden.

Einsatz von Satelliten und KI

Beim Überfliegen des Waldes mit der Drohne fallen abgestorbene Kronen einzelner Bäume sofort auf. Der betroffene Baum kann mit einem Laser erfasst, während die GPS-Koordinaten abgespeichert werden. Satellitenbilder werden unterstützend eingesetzt. Über diese bekommt eine KI die Informationen über erkrankte Bäume.
Aus den Daten der Drohnenbefliegungen entsteht eine aktuelle Inventur des Waldes. Die digitale Analyse hat schon häufig Vitalitätsverluste von Bäumen angezeigt, die vom Boden aus nicht erkennbar waren. Somit kann noch früher gehandelt werden.

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