Rundholzexportwirtschaft bündelt ihre Interessen
Aufbrauchfrist für »Profume« endet in gut einem Jahr
Vor dem Hintergrund der ungewissen Zukunft der Rundholzbegasung haben sich Unternehmen der Wertschöpfungskette im Bereich Rundholzexport – von Forstbetrieben über Rundholzhändler und -exporteure bis hin zu Logistik-, Begasungs- und Hafendienstleistern – die „Interessenvertretung Forst- und Rundholzexporte Deutschland“ gegründet. Über diese Organisation wollen sie sich an den laufenden Prozessen beteiligen sowie ihre Interessen und Ideen einbringen.

Einerseits ist der Rundholzexport darauf angewiesen, die strengen phytosanitären Bestimmungen der Einfuhrländer einzuhalten, andererseits ist dafür die Begasung des für den Transport in Containern eingelagerten Rundholzes mit dem sulfurylfluoridhaltigen Mittel „Profume“ erforderlich.
Dieses Mittel bzw. der darin enthaltene Wirkstoff ist seit Langem bekannt für sein relativ großes Potenzial, das Klima zu erwärmen. Daher wird die Nutzung von „Profume“ zum Abtöten von Insekten in und an den Baumstämmen sehr kritisch gesehen. Für ein Verbot setzt sich insbesondere die Naturschutzorganisation Deutsche Umwelthilfe (DUH) ein, die gegen die Zulassung klagt.
Fast zeitgleich wurde bei der Agrarministerkonferenz im März die Sorge benannt, dass das Pestizid kurzfristig die Zulassung für die Containerbegasung von Laub- und Nadelholz für den Export verlieren könnte. Damals hatten die Agrarminister der Länder das Bundeslandwirtschaftsministerium gebeten, dem von Forschern vorgeschlagenen Einfangen des Gases nach der Behandlung (Adsorption) zum Durchbruch zu verhelfen. Außerdem wurde der Wunsch geäußert, dass das Bundesministerium sich für die Zulassung von möglichen Ersatzstoffen einsetze und entsprechende EU-Genehmigungen einleite. Die Länderagrarminister betonten, dass eine Beendigung der Zulassung des Pestizids für die Containerbegasung nur erfolgen könne, wenn eine angemessene und rechtssichere Übergangsregelung gesichert sei. Ein Sofortvollzug ohne Übergangsfrist würde erhebliche wirtschaftliche Schäden entlang der gesamten Wertschöpfungskette verursachen und sei daher auszuschließen, so die Minister.
Nach Ansicht der Länderminister sollte für den Fall, dass eine erneute Zulassung rechtlich nicht möglich sein sollte, ausreichend Zeit dafür sein, Alternativverfahren zu entwickeln, die auch von den Importländern anerkannt werden. Weiter betonten die Minister die Bedeutung stabiler Absatzmärkte für die Waldstabilisierung, den Waldumbau sowie für Beschäftigung und Wertschöpfung im ländlichen Raum.
Anfang Mai widerrief das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die sogenannte Minor-Use-Zulassung von „Profume“ für die Begasung von Exportholz. Der Widerruf wurde mit einer Abverkaufs- und einer Aufbrauchfrist verbunden, diese endet am 28. Oktober dieses Jahres bzw. am 28. Oktober 2027 (vgl. HZ Nr. 19 vom 8. Mai, S. 261).
Von der Problematik betroffene Unternehmen erkannten vor einigen Monaten, dass sie einzeln weder von Ministerien noch von Behörden als vollwertige Ansprechpartner in dieser Sache akzeptiert werden. Um das aber zu erreichen, wurde die Interessenvertretung gegründet.
Die Organisation ist zunächst auf ein Jahr angelegt und finanziert. Unterstützung haben sich die inzwischen etwa 15 beteiligten Unternehmen von der Beratungsgesellschaft Von Beust & Collegen mit Hauptsitz in Hamburg geholt. Geschäftsführer der Interessenvertretung ist Georg Ehrmann, Gründer und Gesellschafter dieser Beratungsgesellschaft. Er erklärt, dass die Interessenvertretung an der Mitarbeit und Unterstützung weiterer Unternehmen interessiert sei. Die Interessenvertretung ist ein eingetragener Verein und im Lobbyregister des Bundestags verzeichnet. Sie hat erste konstruktive Gespräche mit dem Bundesministerium, dem BVL und mit Landesbehörden geführt.
In der Branche werden neben der Adsorption des Pestizids nach dem Abschluss der Holzbehandlung im Container weitere Alternativen diskutiert – so etwa Phosphorwasserstoff und Heißdampfverfahren. Keines der drei Alternativen gilt als derzeit praktisch einsetzbar. Die Hürden, diese Verfahren praxistauglich und rechtlich zulässig zu machen, scheinen aus unterschiedlichen Gründen außerdem erheblich zu sein. Die Interessenvertretung erklärt, dass „ … ohne eine praktikable Übergangslösung zu ‚Profume‘ und mangels kurzfristig einsatzfähiger Alternativen die gesamte Wertschöpfungskette unter Druck gerät. Unsere Mitgliedsunternehmen unterstützen ausdrücklich die laufenden Diskussionen und Erprobungen von Alternativen … Gerade deshalb brauchen die Unternehmen jetzt Planbarkeit und Investitionssicherheit für diese Übergangsphase.“
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