Solarstrom erhöht Versorgungssicherheit im Betrieb

Merkle-Holz erzeugt mit Photovoltaik-Anlagen bis zu 2,1 MWp und deckt damit bis zur Hälfte seines Stromverbrauchs selbst

Noch diesen Sommer soll es losgehen: Dann geht die neue Photovoltaik-Anlage der Firma ESS Kempfle bei Merkle-Holz ans Netz. Noch fehlt die Genehmigung des Netzbetreibers. Aber schon jetzt sind alle Solarmodule und Wechselrichter montiert. Für Franz Merkle ist das ein Meilenstein: Der Geschäftsführer und Inhaber des Familienbetriebs in Nersingen-Oberfahlheim, Kreis Neu-Ulm, hat nun auf zwölf Hallendächern PV-Module installiert. Diese decken bilanziell fast die Hälfte des Stromverbrauchs seines Betriebs mit 70 Beschäftigten.

Bei Merkle-Holz in Nersingen-Oberfahlheim (oben) geht im Sommer eine PV-Anlage mit 950 kWp an den Start. Das Unternehmen erhöht damit seine Eigenstromproduktion auf bis zu 50 % des Bedarfs. Neben den Produktionsanlagen setzt Merkle auch bei Flurförderfahrzeugen und Dienstfahrzeugen auf Strom und eine eigene Ladeinfrastruktur auf dem Betriebsgelände (unten). Fotos: Merkle-Holz

Merkle-Holz kauft Fichte, Tanne, Lärche und Douglasie von Sägewerken in Deutschland, Österreich, Skandinavien und Tschechien. 100 000 m³ verarbeitet der Betrieb jährlich. Die bis zu 14 cm dicken und bis zu 30 cm breiten Hölzer werden zuerst getrocknet, bevor sie in vollautomatisierten Bearbeitungsstraßen gescannt, sortiert, gehobelt, keilgezinkt und verleimt werden. Das Unternehmen stellt Konstruktionsvollholz (KVH), Duo- bzw. Triolam und Brettschichtholz (BSH) bis 18 m Länge für Endverarbeiter und den Holzhandel her, dazu kommt der Abbund von Bauteilen auf drei Hundegger-Anlagen. Rund ein Drittel der Produktion geht an Zimmereien und Fertighaushersteller in Bayern und Baden-Württemberg. Alles andere nehmen Großhändler in Norddeutschland, der Schweiz, Frankreich und Südeuropa ab. Der durchschnittliche Jahresumsatz lag in den letzten Jahren zwischen 30 und 40 Mio. Euro.

Der Stromdarf des Unternehmens liegt bei 4 000 MWh pro Jahr. Wobei in der Spitze schon mal 1100 kW nötig sind, dann laufen alle Anlagen auf Hochtouren und parallel werden die Tauschbatterien der 16 Gabelstapler geladen. „Holzverarbeitung ist energieintensiv“, sagt Franz Merkle, der seit 1992 im Betrieb arbeitet und das Unternehmen in vierter Generation leitet. Die ursprüngliche Ölmühle und das Sägewerk gab es seit 1688.

Franz Merkle vor der neu installierten PV-Anlage Foto: M. Sudahl

Der gelernte Sägewerker setzt aber nicht erst seit kurzem auf erneuerbare Energien. Bereits vor 13 Jahren ließ Merkle, der für die CSU im örtlichen Gemeinderat sitzt, 4 250 Solarmodule auf die Hallendächer montieren; mit einer Leistung von 1,1 MWp. Damals griff das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), der Strom wird seither rein rechnerisch vollständig ins Netz eingespeist. 26 Cent zahlt der Staat für jede Kilowattstunde. Nun hat Merkle die Bestandsanlage erweitert: Weitere 2 200 Module hat die in Leipheim ansässige Firma ESS Kempfle seit Jahresbeginn auf den Hallendächern installiert, mit einer Leistung von 950 kWp. Die neue PV-Anlage ist aber leistungsfähiger als die Bestandsanlage. „Heutige Module liefern teils bis 50 % mehr Strom“, sagt Wolfgang Kempfle beim Blick auf die Datenblätter der Hersteller.

Addiert Merkle die Werte, steht unterm Strich eine maximale Leistung von 2,1 MWp. Übers Jahr reicht die Anlage, um 50 % des eigenen Strombedarfs zu decken. „Wir sind zur Hälfte energieautark“, sagt Merkle, dem es ein Anliegen ist, den CO2-Fußabdruck seines Betriebs zu senken. Wobei schon der Einsatz von Holz in der Bauindustrie eine Kohlenstoff-Senke ist. Denn das Gas bleibt im Holz gebunden und wird nicht an die Umwelt abgegeben. In Zahlen: Ein Kubikmeter Holz speichert dauerhaft 500 Kilogramm CO2. Dazu passt, dass auf dem Firmengelände keine Dieselmotoren knattern. „Unsere Stapler fahren schon seit 25 Jahren mit Strom“, betont Merkle der damit damals zu den ersten unter den Holzverarbeitern gehörte. Zur Flotte gehören Frontstapler von Kalmar, Linde und Cesab sowie Seitenstapler von Bulmor und Baumann. Gemeinsam mit den Herstellern entwickelte Merkle ein Batteriewechselsystem, damit im Schichtbetrieb keine Wartezeiten beim Aufladen entstehen. Auch hierfür dient die grüne Energie der nun erweiterten PV-Anlage. Deren Strom der Betrieb vollständig selbst nutzt.

Einen Hausspeicher gibt es bisher nicht. „Wir bräuchten einen Akku in der Größe eines Containers“, sagt der Unternehmer. Denn auch 17 Autos im Betrieb fahren mit Strom. Merkle bietet seinen Beschäftigten an, E-Autos von Tesla oder VW als Dienstwagen und privat zu nutzen. Laden können die Mitarbeiter diese über die Wallboxen auf dem Betriebsgelände.

Neben den Umweltaspekten hat die Investition in die PV-Anlage aber auch einen wirtschaftlichen Grund. Den seit der Pandemie explodierten Strompreisen – auf teils 60 Cent/kWh – mag sich Merkle nicht länger aussetzen: „Der Holzmarkt ist volatiler geworden“, sagt er. Der bundesweite Wohnbau geht rapide zurück. Aktuell herrsche ein harter Preiskampf. Laufe der Betrieb mit eigenem Strom, gewinne das Unternehmen mehr Kalkulationssicherheit. Hinzu kommt, dass die 10 000 Einwohner zählende Gemeinde voriges Jahr zwei Stromausfälle hatte. „Bis alle Maschinen wieder angelaufen sind, kostet uns das einen Tag“, bilanziert Merkle. Für jeden Stromausfall beziffert er Kosten von rund 50 000 Euro.

Für Wolfgang Kempfle ist Merkle einer von etlichen Gewerbekunden, die sich dieses Jahr eine Photovoltaik-Anlage installieren lassen. „Der Trend geht in Sachen Energie zur Planungssicherheit“, beobachtet Kempfle. Und die erreichen Firmen nur, wenn sie ihren Strom selbst herstellen.

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