TH Rosenheim realisiert Hochschulbau rund 20% unter staatlichen Regelkosten

Mit dem neuen V-Bau hat die Technische Hochschule Rosenheim ein Projekt realisiert, das über eine klassische Hochschulerweiterung hinausgeht. Der Neubau zeigt, wie sich Hochschulbau durch konsequentes Engineering, Suffizienz und hohe Vorfertigung wirtschaftlicher realisieren lässt als vergleichbare öffentliche Standardprojekte.

Der neue V-Bau der TH Rosenheim (Foto: Wolfgang Schmidt)

Als eine der ersten Hochschulen in Bayern trat die TH Rosenheim dabei selbst als Bauherr auf. Das Ergebnis: ein modularer Hybridbau mit KfW40-Standard und voraussichtlich DGNB-Silber-Zertifizierung, der trotz Nachhaltigkeits- und Qualitätsanforderungen knapp 20% unter den staatlichen Regelkosten vergleichbarer Hochschulbauten blieb. Statt auf architektonische Sonderlösungen setzte das Projektteam auf Wirtschaftlichkeit, Anpassungsfähigkeit und konstruktive Optimierung. „Wir haben das Gebäude konsequent von innen heraus mit Blick auf die Funktionen geplant“, sagte Prof. Dipl.-Ing. (FH) Andreas Betz, Professor für Innenausbau an der TH Rosenheim sowie Gesamtprojektleiter, Nachhaltigkeitsauditor und Planer. „Der V-Bau ist ein Nutzbau mit hohem Kostendruck. Deshalb haben wir jede planerische Entscheidung hinterfragt: Brauchen wir das wirklich oder nicht?“, so Betz weiter. Erste Kostenberechnungen lagen zu Projektbeginn bei 9 bis 10 Mio. Euro. Durch Optimierungsschritte, Vorplanung und ein durchgängiges Kostenmanagement konnte das Projekt letztlich für etwa 7,5 Mio. Euro realisiert werden.

Eine zentrale Rolle spielte dabei die konstruktive Neuorganisation des Gebäudes. Aufgrund schwieriger Bodenverhältnisse und hoher Grundwasserstände am Standort Rosenheim wären die, bis zum Eintritt des hochschulinternen Planungsteams angedachten, konventionelle Lösungen mit erheblichen Mehrkosten verbunden gewesen. Das Planungsteam reagierte darauf mit einer sogenannten „statischen Umdrehung“ des Gebäudes: Große Lehr- und Bewegungsflächen mit hohen Spannweiten wurden in die oberen Geschosse verlagert, kompaktere Büroflächen in die unteren Ebenen. Dadurch konnten Lasten reduziert, Spannweiten optimiert und Geschosshöhen konstruktiv minimiert werden. „Allein über die Reduktion der Gebäudehöhe konnten wir erhebliche Kosten einsparen“, erklärt Betz. „Wir haben die Konstruktion konsequent aus den statischen und funktionalen Anforderungen heraus entwickelt“, erläutert Betz weiter. Um die erheblichen Wasserhaltungskosten im Grundbau einzusparen wurde das Gebäude über die sogenannte Jahrhundertwasserlinie im Erdreich gehoben. Um trotz nicht veränderbarer oberirdischer Gesamtbauhöhe vier Geschosse zu ermöglichen, folgte daraus für jedes Geschoss eine eigene statisch minimierte Deckenkonstruktion.
Realisiert wurde der Neubau als modularer Hybridbau mit hohem Vorfertigungsgrad. Die Fassadenelemente wurden im Holzbau bereits inklusive Fenster und Holzverkleidung vorgefertigt, auch Deckenplatten und weitere Bauteile kamen montagefertig auf die Baustelle. Der eigentliche Aufbau erfolgte dadurch innerhalb kürzester Zeit: In nur vier Wochen entstand der komplette Holzbau inklusive Dach – Geschoss für Geschoss wie in einem Baukastensystem auf dem Sockelgeschoss, welches wegen dem Baugrund in Beton ausgeführt werden musste. Neben Effizienz und Vorfertigung prägte vor allem ein Suffizienzansatz die Planung. Ziel war nicht die technische Maximierung, sondern die bewusste Reduktion auf das funktional Notwendige. So wurde der Einsatz von Beton wo immer möglich minimiert und Holz gezielt als CO₂-speichernder Baustoff eingesetzt. Flexible Grundrisse ermöglichen zudem eine langfristige Umnutzung der Räume und erhöhen die Lebensdauer des Gebäudes.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war die enge Zusammenarbeit zahlreicher Fachbereiche innerhalb der Hochschule. Expertinnen und Experten aus den Bereichen Holzbau, Statik, Energie- und Gebäudetechnik sowie Bauplanung brachten ihre Kompetenzen direkt in das Projekt ein. Dadurch konnten viele Leistungen hochschulintern entwickelt und abgestimmt werden – mit kurzen Entscheidungswegen und hoher fachlicher Tiefe.

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